1991 durch Rumänien und Bulgarien

Als Alternative wählten wir zähneknirschend die Route über Ungarn, Rumänien und Bulgarien, da unsere bisherige Route durch den Balkankrieg blockiert war. Schon die Einreise in Rumänien machte uns stutzig. Am offiziellen Grenzübergang verlangte man von uns zu den 108 DM für die Transit-Visa eine nicht quittierte schwarze Zusatzzahlung von 50 DM. Betont unfreundliche Zöllner durchsuchten unseren Wohnwagen und verlangten von uns „Souvenirs“. Wir durchquerten rumänische Landschaften, in denen der Weizen und der Mais nur ein Drittel der bei uns üblichen Größe erreichte. Größere Gruppen von Menschen waren auf den Feldern, um das üppig wachsende Unkraut in Handarbeit zu entfernen. Eisenbahnzüge, die uns begegneten und große Lagerplätze von Landmaschinen fielen vor allem durch einen Eindruck auf: Alles bestand aus Rost, Rost und nochmals Rost! Unser Gespann mit Wohnwagen und den vier Surfbrettern auf dem Autodach war von Ferne als Touristenfahrzeug aus dem goldenen Westen auszumachen. Immer wieder versuchten uns Männer in Polizei- oder Soldatenuniformen anzuhalten und verlangten dann Geld oder Teile unseres Gepäcks. Wir wagten nicht, einfach weiter zu fahren. Die wachsende Angst vor einer folgenden Polizeisperre, vor einer möglichen Verhaftung und Lösegeldforderung stieg in uns immer höher.

 

In Bulgarien blieb kurz vor Sofia unser Wohnwagengespann an einer Ampel stehen. Das Auto startete erst nach minutenlangen Versuchen wieder. Nun wagte ich nicht mehr, den Motor auszumachen. Unsere Anspannung stieg. Nach Sofia setzte sich auf einer vierspurigen Strecke ein BMW mit drei Männern auf die Spur neben uns und wich uns nicht mehr von der Seite. Die Männer versuchten, uns durch Winke zum Anhalten aufzufordern. Als wir uns weigerten, versuchten sie, uns in einen einsamen Parkplatz abzudrängen. Sie vermieden aber eine Kollision. Wir konnten entkommen. Die intensiven Kontrollen durch unfreundliche Zöllner mit militärischem Gehabe an der bulgarisch-griechischen Grenze überstanden wir in dem zutiefst depressiven Gefühl, alle gewohnten Rechte eingebüßt zu haben. In Griechenland angekommen, atmeten wir auf. Wie schön, hier schien für uns in jeder Hinsicht wieder die Sonne.