Das Leben aus verschiedener Sicht

Wenn ich über alles nachdenke, was ich erlebt habe, frage ich mich einerseits, warum mein Leben genau so und nicht anders verlaufen ist.

Andererseits frage ich mich auch, wie mein Leben in die Geschichte der Welt eingebettet ist und welche Bedeutung es hat.

 

Die Beantwortung dieser Frage fällt extrem verschieden aus, je nachdem welche Brille ich aufsetze. Die eine nenne ich objektiv, die andere subjektiv.

Objektiv betrachtet gab es vor 13,7 Milliarden Jahren einen Urknall. Das Universum entstand. Die Entstehung der Erde liegt 4,5 Milliarden Jahre zurück. Vor knapp sieben Millionen Jahren begann in Afrika die Geschichte des Menschen. Mit vielen, vielen Zwischenstufen wurde daraus der heutige Mensch. Bei Christi Geburt lebten etwa 300.000 Menschen auf der Erde. Bei meiner Geburt 1949 waren es 2,5 Milliarden. Bis heute hat sich diese Zahl auf 7,5 Milliarden verdreifacht. Die Anzahl aller Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, wird auf 110 Milliarden geschätzt.

Eines dieser Milliarden von Individuen bin ich, Rolf Beicher. Mir scheint, so betrachtet, dass ich vom Standpunkt der Natur aus gesehen so unbedeutend bin wie irgendein Sandkorn zu irgendeiner Zeit an irgendeinem der Strände der Erde.

Eine ähnliche Einschätzung erhalte ich, wenn ich die Zeit, die mein Leben umfasst, ins Verhältnis setze zu der Zeit, die die Erde insgesamt existiert. In Milliarden von Jahren wird sich die Sonne aufblähen, die Erde einfangen und verglühen lassen. Insgesamt hat die Erde dann wohl 10 Milliarden Jahre existiert. Würde man, um eine Anschaulichkeit zu erzielen, die Lebenszeit der Erde als eine zurückgelegte Strecke der Streckenlänge zehn Milliarden Millimeter darstellen, dann hätte ein Mensch in seiner mit 100 Jahren angenommenen maximalen Lebenszeit die Länge 100 mm zurückgelegt. Das wäre der 100-millionste Teil der Gesamtstrecke. Man kann das umgerechnet auch so ausdrücken. Die Erde legt in ihrer Lebenszeit 100 km zurück und ich darf sie auf dieser Strecke einen einzigen Millimeter weit begleiten. Wie ich es auch drehe und wende, objektiv im ganz Großen gesehen, scheine ich als einzelner Mensch ein nahezu unbedeutendes Nichts zu sein.  ......